OLG Dresden, Urt. v. 30.11.2021, 4 U 1158/21
Nachforschungen einer Detektei über strafrechtliche Verurteilungen verstoßen gegen Art. 10 DSGVO; Verarbeitung von Strafdaten grundsätzlich nur unter behördlicher Aufsicht; Schadensersatz nach Art. 82 DSGVO und gesamtschuldnerische Haftung des Geschäftsführers.
1. Kurzübersicht
Ein Verein hatte eine Detektei beauftragt, Informationen über eine Person einzuholen, die dem Verein beitreten wollte. Die Detektei ermittelte dabei auch strafrechtliche Verurteilungen der Person. Der Betroffene verlangte Schadensersatz nach Art. 82 DSGVO von dem Verein und dessen Geschäftsführer.
2. Leitsätze
Die Verarbeitung personenbezogener Daten über strafrechtliche Verurteilungen und Straftaten ist nach Art. 10 DSGVO grundsätzlich nur unter behördlicher Aufsicht gestattet. Eine private Stelle, die über eine Detektei Vorstrafen ermitteln lässt, verarbeitet Strafdaten ohne diese Aufsicht und ohne gesetzliche Grundlage und verstößt damit gegen Art. 10 DSGVO.
Als mildere Mittel standen zur Verfügung, den Betroffenen selbst um Auskunft zu bitten oder ein Führungszeugnis anzufordern. Das aufsichtslose Ausspähen von Strafdaten ist auch dann unzulässig, wenn ein Interesse an der Information behauptet wird.
Der Verstoß begründet einen Anspruch auf immateriellen Schadensersatz nach Art. 82 DSGVO, den das Gericht mit 5.000 Euro bemessen hat. Der Geschäftsführer haftet neben der Gesellschaft als Gesamtschuldner.
3. Bedeutung
Die Entscheidung ist das praktisch wichtigste deutsche Urteil zu Art. 10 DSGVO im nichtöffentlichen Bereich. Sie macht deutlich, dass Unternehmen und Vereine Vorstrafen nicht selbst recherchieren dürfen, sondern auf die gesetzlich geregelten Wege (Selbstauskunft, Führungszeugnis nach § 30 BZRG) verwiesen sind. Zugleich zeigt sie das Haftungsrisiko: Der Datenschutzverstoß führt zu Schadensersatz, für den auch die handelnde Geschäftsleitung persönlich einstehen kann. Der Volltext ist über rewis.io abrufbar.
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This article was written by Dr. Thomas Helbing, specialist lawyer for IT law in Munich.
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OLG Karlsruhe, Urt. v. 23.02.2021, 14 U 3/19
Löschungsanspruch gegen einen Eintrag in einer Betrugswarndatei; bloße Verdachtsmomente ohne Verurteilung fallen nicht unter Art. 10 DSGVO, dessen Schutz an die hoheitliche Feststellung einer Straftat anknüpft.
BVerfG, Beschl. v. 06.11.2019, 1 BvR 16/13, Recht auf Vergessen I
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